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Über uns

Bewährungs- und Straffälligenhilfe Ulm e.V.

Die Wurzeln des heutigen Vereins reichen weit in das frühe 19. Jahrhundert zurück und erste Spuren finden sich im Ulmer Adressbuch von 1836 mit dem „Verein für entlassene Strafgefangene“, der sich zur Aufgabe gestellt hatte, Strafentlassene ein Unterkommen bei Dienstherren zu ermöglichen und ihnen dort die Möglichkeit der Erlernung eines Handwerkes zu bieten. Getragen war dieser Verein von Meistern, Lehrern, Pfarrern und später insbesondere den namhaften Ulmer Unternehmerpersönlichkeiten etwa Käßbohrer und Wieland.

Nach dem zweiten Weltkrieg gründeten sich in Ulm zwei Vereine der sozialen Rechtspflege. Der Gefangenenfürsorgeverein und am 18.06.1954 der Verein zur Förderung der Bewährungshilfe im Landgerichtsbezirk Ulm, welcher bis 1969 vom Landgerichtspräsidenten Wilhelm Holzhäuser geleitet wurde. Bereits kurz nach seiner Gründung ging der Bewährungshilfeverein durch Anstellung eines Bewährungshelfers daran, das durch das 3. Strafrechtsänderungsgesetz vom 04.08.1953 (BGBl. I, 1953, 735) eingeführte neue Rechtsinstitut der Strafaussetzung zur Bewährung mit Inhalt zu erfüllen. Die Anfänge der Bewährungshilfe waren privatrechtlich organisiert und erst deren als erfolgreich angesehene Arbeit führte zur Übernahme dieser Aufgabe durch die Justizverwaltung. Gleichermaßen Neuland betrat der Bewährungshilfeverein auch im Jahr 1960 als er erstmals in Baden-Württemberg und als einer der ersten bundesweit einen Gerichtshelfer anstellte. Erst 15 Jahre später (1975) kam es letztendlich zur gesetzlichen Institutionalisierung der Gerichtshilfe und damit zur Übernahme dieses Aufgabenbereichs durch die Justiz.

Ebenfalls in das Jahr 1960 fallen die Anfänge des Hauses im Donautal, welches vom 1957 gegründeten bis 2003 in Ulm ansässigen Landesverband der Bewährungshilfe bis 1996 betrieben wurde. Personelle wie sachliche Nähe des Ulmer Bewährungshilfevereins führten über Jahrzehnte zu einer engen Verzahnung.

Diese vielfältigen, privaten Aktivitäten im Bereich der Bewährungshilfe, die im Ulmer Raum damals stattfanden, wurde bundesweit beachtet und führten 1960 auch zur Ausrichtung der dritten Bundestagung der Deutschen Bewährungshilfe in Ulm. Gefangenenfürsorgeverein und Bewährungshilfeverein, deren Mitglieder sich vorwiegend aus den Reihen der Richter und Staatsanwälte sowie Sozialarbeitern des Landgerichtsbezirks rekrutierten, arbeiteten freundschaftlich zusammen und betrieben bereits gemeinsam ab 1976 die Anlauf- und Beratungsstelle für Strafentlassene in Ulm.


Ende 1977 kamen die beiden Vereine überein, zu fusionieren. Damit waren sie wiederum einen Schritt der landesweiten Entwicklung voraus.Auf Landesebene ließ die Fusion von Bewährungs- und Straffälligenhilfeverbänden noch 26 Jahre auf sich warten.

Der Verein, ab 1969 unter Vorsitz von Amtsgerichtsdirektor Gustav Baitinger, führte ab diesem Zeitpunkt seinen heutigen Namen. Im Mai 1978 übernahm Direktor des Amtsgerichts Hans Bock den Vorsitz im Verein, der unter seiner Führung im Jahr 1981 das Übergangswohnheim für Haftentlassene in der Zinglerstraße 71 in Ulm mit 10 Wohnheimplätzen mit teilstationärer Betreuung und im Jahr 1985 ein Wohnheim mit 6 Plätzen in der Alexanderstraße 20 in Göppingen eröffnen konnte, welche unverändert bis heute fortbestehen. Die Betreuungsdauer ist dort regulär der Monate mit Verlängerungsoption auf sechs Monate. Der Erwerb und Umbau beider Immobilien, sowie die Anstellung von Sozialarbeitern für den Betrieb der Einrichtungen war nur möglich geworden, da der Verein eine großzügige Erbschaft antreten konnte.

Von 1985 bis 1991 stand dem Bewährungs- und Straffälligenhilfeverein Ulm Leitender Oberstaatsanwalt Konrad Menz vor, dem ab April 1991 der Direktor des Amtsgerichts Ulm Hans-Otto Nagel nachfolgte. Durch die Abordnung des Vorstandsmitglieds Richter am Landgericht Gerd Gugenhan im Jahr 1991/1992 nach Leipzig kamen Kontakte in die neuen Bundesländer zustande. Dort hatte sich 1991 der Partnerverein „Leben ohne Fesseln“ als Bewährungs- und Straffälligenhilfeverein gegründet, der beabsichtigte, ebenfalls ein Wohnheim zu errichten. Der Ulmer Verein stellte im Jahr 1993 mit einem Zuschuss von 10.000.- DM sowie einem zinslosen Darlehen von 40.000.- DM nicht nur das Startkapital zur Verfügung, sondern bot auch durch Hospitationen in Ulm, den dort tätigen werdenden Sozialarbeitern Hilfestellungen an. Das Wohnheim in Leipzig-Markleeberg, Auerbachshof 19 besteht bis heute.

Am 18. Dezember 1992 erwarb der Bewährungs- und Straffälligenhilfeverein Ulm für 300.000.- DM bei der städtischen Ulmer Wohnungs- und Siedlungs-GmbH (UWS) ein auf 25 Jahre angelegtes Belegungsrecht für zehn Ein- bis Zweizimmerwohnungen im Stadtgebiet von Ulm. Als Projekt des betreuten Wohnens im Individualwohnraum, bei jeweiliger Wohndauer von 18 Monaten hat sich diese, ebenfalls bis in aktuelle Zeit fortbestehende Betreuungsform als sehr erfolgreich erwiesen und gerade bei dem aktuell schwierigen Wohnungsmarkt ist es fast die einzige Möglichkeit den Probanden Wohnungsmöglichkeiten zu bieten, wenn die Betreuungszeit im Übergangswohnheim endet.